Ein Exposé für die Bachelorarbeit ist ein knapper schriftlicher Plan: Es hält fest, was du untersuchen willst (Thema und Forschungsfrage), worauf du aufbaust (Stand der Forschung), wie du vorgehst (Methode) und bis wann du was erledigst (Zeitplan, vorläufige Gliederung, Literatur). Wie lang es sein soll, bestimmt deine Hochschule oder dein Betreuer – in den hier ausgewerteten Leitfäden reicht die Spanne von „nicht länger als 3 Seiten“ bis „5 bis 20 oder mehr Seiten“.
Dieser Beitrag beschränkt sich bewusst auf das Exposé. Den gesamten Weg von der Themenwahl bis zur Abgabe beschreibt unser Artikel Bachelorarbeit schreiben; weitere Themen rund um Studium und Fächer findest du in der Rubrik Fächer und Themen.
Wozu braucht man ein Exposé für die Bachelorarbeit?
Nach dem Leitfaden der Universität Bielefeld ist das Exposé ein Zwischenschritt im Schreibprojekt und stellt einen Plan für die weiteren Arbeitsschritte dar. Es fasst die Ergebnisse der Planungsphase zusammen und informiert meist die Betreuerin oder den Betreuer über die Arbeit, manchmal auch mit dem Ziel, sie oder ihn überhaupt als Betreuung zu gewinnen. Die Universität Potsdam beschreibt es ähnlich: Es bildet den Abschluss der Planungsphase und strukturiert den Arbeitsprozess.
Der praktische Nutzen: Du legst vorab fest, welche Ziele du wie erreichen willst. Das hilft, Irrwege zu vermeiden und beim Schreiben nicht vom eigentlichen Thema abzuschweifen. An manchen Instituten ist das Exposé außerdem Pflicht. Am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Kiel (Politikwissenschaft) muss es zum Beispiel für das Bachelorforum eingereicht und dort vorgestellt werden, und in der Regel wird es der Betreuung schon vorgelegt, bevor die Prüfenden vereinbart sind. Das ist ein Beispiel, keine allgemeine Regel – frag bei deinem Prüfungsamt oder Lehrstuhl nach.
Welche Bestandteile gehören in ein Exposé?
Die Leitfäden nennen leicht unterschiedliche Listen, im Kern aber dasselbe. Daraus ergeben sich diese Bausteine:
- Arbeitstitel: ein erster, griffiger und informativer Titel. Er darf sich später noch leicht ändern.
- Thema und Relevanz: worum es geht und warum die Bearbeitung lohnt – eingegrenzt und abgegrenzt.
- Stand der Forschung: was zum Thema bereits bekannt ist, auf welche Theorien sich vorhandene Arbeiten stützen und welche du nutzen willst.
- Forschungsfrage (und gegebenenfalls Hypothesen): die konkrete Frage, die deine Arbeit beantworten soll, samt deiner Vermutung vor dem Hintergrund bisheriger Befunde.
- Methode: wie du die Frage beantwortest, zum Beispiel Literaturarbeit, Inhaltsanalyse, Interviews oder eine Befragung, möglichst mit den einzelnen Arbeitsschritten.
- Vorläufige Gliederung: eine grobe Struktur, stichwortartig mit dem, was unter den Punkten stehen soll.
- Zeitplan: wann welcher Arbeitsschritt bis zur Abgabe fertig sein soll.
- Literatur: die im Exposé verwendeten Quellen, in dem Zitierstil, den dein Fach verlangt (Potsdam nennt für sein Beispiel APA).
Kiel weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht jeder Punkt eine eigene Überschrift braucht: Mehrere Punkte lassen sich in einem Abschnitt zusammenfassen. Bei einem kurzen Exposé ist das ohnehin nötig.
Wie lang sollte das Exposé sein?
Eine verbindliche Zahl gibt es nicht. Das zeigen schon die drei Leitfäden:
- Universität Bielefeld (Erziehungswissenschaft): Für eine Hausarbeit meist höchstens zwei Seiten, für eine Abschlussarbeit oder Dissertation „5–20 oder mehr Seiten“.
- Universität Potsdam (Erziehungswissenschaftliche Bildungsforschung): in der Regel nicht länger als 3 Seiten.
- Universität Kiel (Politikwissenschaft, Bachelor): 3 bis 5 Seiten.
Wie viel du schreiben musst, hängt also von Hochschule, Fach und Betreuung ab. Die Zahlen oben sind Beispiele aus einzelnen Instituten, keine allgemeingültige Norm. Frag nach einer Vorlage oder einer Musterarbeit, bevor du anfängst. Im Zweifel gilt: lieber dicht und präzise als lang.
Wie formuliere ich die Forschungsfrage?
Das Thema ist laut Kiel nur der Titel deiner Arbeit; die Fragestellung zieht sich als roter Faden durch sie und entscheidet, welche Teilaspekte wichtig sind und welche du weglassen kannst. Dort werden mehrere Prüfkriterien genannt:
- Du kannst sie in wenigen Zeilen ausdrücken und fasst den Schwerpunkt in einer zentralen Frage zusammen.
- Sie lässt sich im vorgegebenen Rahmen (Seitenzahl, Bearbeitungszeit) zufriedenstellend beantworten. Wenn nicht, grenzt du das Thema weiter ein.
- Sie ist prinzipiell überprüfbar, und die nötigen Daten oder Quellen bekommst du mit vertretbarem Aufwand.
- Sie interessiert dich und ist fachlich relevant.
Ein Hinweis aus dem Kieler Leitfaden gilt ausdrücklich für die Politikwissenschaft: Dort sind „Wie“- oder „Was“-Fragen oft zu unspezifisch, in der Regel sind „Warum“-Fragen vorzuziehen. Ob das in deinem Fach auch stimmt, klärst du mit deiner Betreuung.
Wie sieht eine Beispielgliederung aus?
Das Beispiel unten ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung. Es ist keine Vorlage, die jede Hochschule akzeptiert. Angenommen, die Forschungsfrage lautet: „Warum bleiben Studierende bei Lern-Apps oft nur kurz dabei?“ Dann könnte ein Exposé so aufgebaut sein:
- Arbeitstitel: Kurzzeitnutzung von Lern-Apps im Studium – eine Literaturanalyse
- Einleitung: Problemstellung, Forschungsfrage, Ziel und Aufbau der Arbeit
- Stand der Forschung: Studien zur Nutzung digitaler Lernangebote, Motivationstheorien, offene Lücken
- Theoretischer Rahmen: zentrale Begriffe (zum Beispiel Motivation, Nutzungsdauer) mit Arbeitsdefinitionen
- Methode: systematische Literaturrecherche, Auswahlkriterien, Auswertungsschritte
- Ergebnisse und Diskussion: geplante Auswertung nach Themen und Einordnung in die Theorie
- Fazit und Ausblick: Antwort auf die Forschungsfrage, Grenzen der Arbeit
Beschreibe unter jedem Punkt in einem Satz, was dort stehen soll. Potsdam nennt als Beispiel einen Gliederungspunkt mit der Beschreibung der Befunde aus Vergleichsstudien, die dort belegt werden sollen. Genau diese Stichworte machen das Exposé für deine Betreuung lesbar und für dich selbst zum Fahrplan.
Wie erstelle ich den Zeitplan?
Laut Kiel beginnt der Zeitplan mit dem aktuellen Datum und endet mit dem geplanten Abgabetermin. Aufgelistet werden Recherche-, Lese- und Schreibphasen ebenso wie die abschließenden Schritte: Quellen prüfen, Korrekturlesen, Drucken oder Kopieren. Potsdam ergänzt, dass sich einzelne Schritte überlappen dürfen und dass du Pufferzeiten einplanen solltest, etwa am Semesterende, wenn noch Klausuren oder Hausarbeiten anstehen.
Plane realistisch: Der Kieler Leitfaden empfiehlt ausdrücklich, sich nicht zu viel vorzunehmen und Zeiten für den Abschluss von Seminaren, den Nebenjob oder Familienbesuche einzurechnen. Wenn du dir dabei Hilfe wünschst, kann ein KI-Lernplan von LearnCastAI Lernphasen auf einen Kalender verteilen – für den Zeitplan der Arbeit selbst musst du die Meilensteine aber selbst festlegen.
Welche typischen Fehler solltest du vermeiden?
Die folgenden Punkte leiten sich aus den genannten Leitfäden ab; es sind keine Erhebungen darüber, was Studierende am häufigsten falsch machen.
- Zu früh anfangen. Bielefeld empfiehlt, erst mit dem Exposé zu beginnen, wenn Thema, Fragestellung und Ziel feststehen. Potsdam rät, die Fragestellung vorher mit der Betreuung zu besprechen.
- Eine zu weite Frage. Lässt sie sich im Rahmen der Arbeit nicht beantworten, hilft nur weiteres Eingrenzen (Kiel).
- Eine Frage ohne Daten. Ist unklar, woher Quellen oder Daten kommen, fehlt die pragmatische Grundlage. Bei sehr aktuellen Themen gibt es nach Kiel möglicherweise noch nicht genug Fachliteratur.
- Eine Methode ohne Arbeitsschritte. Potsdam fordert, die einzelnen Schritte möglichst genau zu beschreiben.
- Ein Zeitplan ohne Puffer. Wer jede Woche voll verplant, hat keine Reserve für Klausuren oder Krankheit.
- Das Exposé für endgültig halten. Es ist laut Bielefeld eine „provisorische Skizze“; Gliederung und Einleitung ändern sich meist noch. Auch Potsdam sieht das nicht als Problem, sondern als Kennzeichen wissenschaftlichen Arbeitens. Planungsmängel sollst du dir aber nicht schönreden: Je genauer die Planung, desto besser lassen sich Inhalt und Zeit mit der Betreuung besprechen.
Was kommt nach dem Exposé?
Wenn deine Betreuung das Exposé freigibt, kannst du in die Recherche und das Schreiben einsteigen; wie das gelingt, steht im Artikel Bachelorarbeit schreiben. Hast du zuvor Hausarbeiten geschrieben, helfen dir deren Methoden auch hier – mehr dazu in Hausarbeit schreiben. Und die Verteidigung deiner Arbeit übst du am besten mit den typischen Fragen aus dem Beitrag Kolloquium zur Bachelorarbeit.
LearnCastAI wandelt deine eigenen Unterlagen in Zusammenfassungen, Lernkarten und Hörfassungen um und kann so beim Einlesen in die Literatur unterstützen. Das Exposé selbst schreibst du – und was darin steht, entscheidest du gemeinsam mit deiner Betreuung.
Quellen
- Leitfaden zum Verfassen eines Exposés — Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft
- Leitfaden für die Anfertigung eines Exposés zur Bachelorarbeit im Fach Politikwissenschaft (Stand: April 2020) — Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Sozialwissenschaften
- Leitfaden zum Anfertigen eines Exposés für eine wissenschaftliche Abschlussarbeit — Universität Potsdam, Professur für Erziehungswissenschaftliche Bildungsforschung
Häufige Fragen zu diesem Artikel
Das legt die Hochschule oder die Betreuung fest. In den ausgewerteten Leitfäden: Universität Potsdam in der Regel nicht länger als 3 Seiten, Universität Kiel (Politikwissenschaft) 3 bis 5 Seiten, Universität Bielefeld für Abschlussarbeiten 5 bis 20 oder mehr Seiten. Frag vorab nach der Vorgabe deines Instituts.
Arbeitstitel, Thema und Relevanz, Stand der Forschung, Forschungsfrage (oft mit Hypothesen), Methode, vorläufige Gliederung, Zeitplan und Literaturliste. Mehrere dieser Punkte dürfen in einem Abschnitt zusammengefasst werden.
Wenn Thema, Fragestellung und Ziel feststehen (Universität Bielefeld). Die Universität Potsdam empfiehlt, anzufangen, sobald du mit der Betreuung eine mögliche Fragestellung besprochen und konkretisiert hast.
Nicht wörtlich. Gliederung und Einleitung sind nur vorläufig und ändern sich meist noch; die Universität Potsdam sieht die laufende Anpassung als Kennzeichen wissenschaftlichen Arbeitens. Größere Änderungen der Fragestellung sprichst du aber mit deiner Betreuung ab.
Das hängt von deinem Institut ab. Manche Lehrstühle und Fächer stellen Leitfäden oder Vorlagen bereit, wie die hier genannten Universitäten. Frag bei deiner Betreuung oder im Prüfungsamt nach.
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