Lern-Glossar
Klare, quellenbasierte Definitionen der wichtigsten Begriffe rund um effektives Lernen, Gedächtnis und KI-gestütztes Lernen.
A
Active Recall (aktives Abrufen) bezeichnet das gezielte Erinnern von Wissen aus dem Gedächtnis – etwa durch Selbsttests oder Karteikarten – statt den Stoff nur erneut zu lesen. Das Abrufen selbst festigt die Gedächtnisspur.
ArbeitsgedächtnisDas Arbeitsgedächtnis ist das kognitive System, das Informationen für Sekunden aktiv hält und gleichzeitig bearbeitet. Seine Kapazität ist stark begrenzt – auf etwa vier Einheiten – und bildet den Flaschenhals jedes Lernprozesses.
C
Chunking bezeichnet das Zusammenfassen einzelner Informationen zu größeren, bedeutungsvollen Einheiten („Chunks"). Da das Arbeitsgedächtnis nur wenige Einheiten gleichzeitig halten kann, erhöht Chunking die effektiv merkbare Menge.
Cognitive LoadCognitive Load (kognitive Belastung) bezeichnet die Menge an Information, die das Arbeitsgedächtnis beim Lernen gleichzeitig verarbeiten muss. Da diese Kapazität eng begrenzt ist, entscheidet die Belastung darüber, wie gut Lernen gelingt.
I
Implementation Intentions (Wenn-Dann-Pläne) sind konkrete Vorsätze nach dem Muster „Wenn Situation X eintritt, dann tue ich Y". Sie koppeln eine Handlung an einen Auslöser und erhöhen so die Wahrscheinlichkeit, dass Ziele umgesetzt werden.
InterleavingInterleaving (verschachteltes Lernen) bezeichnet das Vermischen verschiedener Aufgabentypen oder Themen innerhalb einer Übungseinheit, statt sie in getrennten Blöcken zu üben. Das erschwert die Übung, verbessert aber häufig das spätere Behalten.
K
Karteikarten sind zweiseitige Lernkarten mit einer Frage oder einem Stichwort auf der Vorder- und der Antwort auf der Rückseite. Sie zwingen zum aktiven Abrufen und eignen sich ideal für verteiltes Wiederholen.
KI-HalluzinationEine KI-Halluzination ist eine von einem KI-Sprachmodell erzeugte Aussage, die faktisch falsch oder frei erfunden ist, aber überzeugend und faktenähnlich klingt. Ursache ist, dass das Modell das wahrscheinlichste nächste Wort vorhersagt und Fakten nicht überprüft.
L
Das Langzeitgedächtnis speichert Wissen und Erfahrungen dauerhaft – von Sekunden bis über ein ganzes Leben. Seine Kapazität gilt als praktisch unbegrenzt und gliedert sich in mehrere spezialisierte Systeme.
Large Language ModelEin Large Language Model (großes Sprachmodell, LLM) ist ein KI-System, das auf riesigen Textmengen trainiert wurde, um Sprache zu verarbeiten und zu erzeugen. Es sagt Wort für Wort den wahrscheinlichsten nächsten Textbaustein (Token) voraus.
Leitner-SystemDas Leitner-System ist eine Karteikasten-Methode mit mehreren Fächern: Richtig beantwortete Karten wandern in seltener wiederholte Fächer, Fehler zurück ins erste Fach. So verbindet es aktives Abrufen mit verteiltem Wiederholen.
LernstileLernstile bezeichnen die verbreitete Annahme, Menschen lernten besser, wenn Stoff im bevorzugten Sinneskanal (etwa visuell oder auditiv) präsentiert wird. Diese Meshing-Hypothese ist wissenschaftlich nicht belegt.
Loci-MethodeDie Loci-Methode (Gedächtnispalast) ist eine Merktechnik, bei der man Informationen mit festen Orten entlang eines vertrauten Weges verknüpft und sie beim gedanklichen Abschreiten wieder abruft.
M
Metakognition ist das Wissen über die eigenen Denk- und Lernprozesse und die Fähigkeit, sie zu planen, zu überwachen und zu bewerten. Der Begriff geht auf den Psychologen John Flavell (1979) zurück.
MicrolearningMicrolearning ist ein didaktischer Ansatz, der Lerninhalte in kleinen, fokussierten Einheiten von meist wenigen Minuten vermittelt. Studien deuten auf bessere Behaltensleistung und geringere kognitive Belastung hin – eine einheitliche Definition fehlt jedoch.
MnemotechnikEine Mnemotechnik (Eselsbrücke) ist ein Merkhilfe-Verfahren, das schwer merkbare Informationen mit leicht abrufbaren Bildern, Reimen oder Mustern verknüpft, um das Behalten und Erinnern zu erleichtern.
P
Die Pomodoro-Technik ist eine Zeitmanagement-Methode: Man arbeitet in fokussierten Intervallen von meist 25 Minuten (einem „Pomodoro"), gefolgt von kurzen Pausen. Entwickelt wurde sie Ende der 1980er-Jahre von Francesco Cirillo.
ProkrastinationProkrastination ist das freiwillige Aufschieben einer beabsichtigten Handlung, obwohl man mit Nachteilen rechnet. Sie gilt als klassisches Versagen der Selbststeuerung und betrifft besonders häufig das Lernen.
PromptEin Prompt ist die Eingabe – meist ein Text –, mit der eine generative KI wie ein Sprachmodell angewiesen wird, eine Aufgabe auszuführen. Er reicht von einer kurzen Frage bis zu einer detaillierten Anweisung mit Kontext und Beispielen.
PrüfungsangstPrüfungsangst ist eine situationsspezifische Angst vor Bewertungssituationen wie Klausuren oder Tests. Sie hat eine kognitive Seite (Sorgen, Grübeln) und eine körperliche Seite (Anspannung), die die Leistung beeinträchtigen können.
S
Spaced Repetition (verteiltes Wiederholen) ist eine Lernmethode, bei der Stoff in wachsenden zeitlichen Abständen wiederholt wird – idealerweise kurz bevor er vergessen wird. So bleibt Wissen mit weniger Aufwand länger abrufbar.
Spacing-EffektDer Spacing-Effekt beschreibt den Befund, dass über die Zeit verteiltes Lernen zu besserem Langzeitbehalten führt als dieselbe Lernmenge am Stück (massiertes Lernen). Er zählt zu den robustesten Ergebnissen der Gedächtnisforschung.
T
Der Testing-Effekt (auch Abruf- oder Prüfungseffekt) beschreibt den Befund, dass das Abrufen von Wissen in einem Test das langfristige Behalten stärker festigt als erneutes Lesen desselben Stoffs. Prüfen ist also nicht nur Messen, sondern Lernen.
Text-to-SpeechText-to-Speech (TTS, Sprachsynthese) bezeichnet Software, die geschriebenen Text automatisch in gesprochene Sprache umwandelt. Moderne neuronale Systeme erzeugen dabei Stimmen, die von menschlichen Aufnahmen kaum zu unterscheiden sind.