Glossar

Testing-Effekt

Kurz erklärt

Der Testing-Effekt (auch Abruf- oder Prüfungseffekt) beschreibt den Befund, dass das Abrufen von Wissen in einem Test das langfristige Behalten stärker festigt als erneutes Lesen desselben Stoffs. Prüfen ist also nicht nur Messen, sondern Lernen.

Was ist der Testing-Effekt?

Der Testing-Effekt, auch Abruf- oder Prüfungseffekt genannt, bezeichnet die Erkenntnis, dass ein Test nicht nur misst, was man weiß, sondern das Wissen selbst festigt. Wer sich prüft und Antworten aktiv aus dem Gedächtnis abruft, behält den Stoff langfristig besser als jemand, der dieselbe Zeit mit erneutem Lesen verbringt. Der Effekt ist die wissenschaftliche Grundlage der Lernstrategie Active Recall.

Wie wurde er nachgewiesen?

In einer viel zitierten Studie ließen Roediger und Karpicke (2006) Studierende Sachtexte lesen und danach entweder erneut lesen oder sich selbst testen – ohne Rückmeldung. Kurz nach dem Lernen (nach fünf Minuten) schnitt die Lesegruppe besser ab. Doch nach zwei Tagen und nach einer Woche kehrte sich das Bild deutlich um: Wer getestet worden war, hatte weit mehr behalten und deutlich weniger vergessen. Karpicke und Roediger bestätigten 2008 in der Zeitschrift Science, dass wiederholtes Abrufen entscheidend ist, während bloßes Weiterlernen nach dem ersten korrekten Abruf kaum noch Nutzen brachte.

Was bedeutet das für die Praxis?

Der Testing-Effekt macht Selbsttests, Probeklausuren und Karteikarten zu hochwirksamen Lernwerkzeugen – vorausgesetzt, man ruft wirklich ab, bevor man die Lösung ansieht. Rückmeldung nach dem Abrufversuch verstärkt den Effekt zusätzlich, weil Fehler korrigiert werden. Ein häufiger Denkfehler ist, das Prüfen ans Ende der Vorbereitung zu schieben; wirksamer ist es, von Anfang an mit Fragen zu lernen. Kombiniert mit verteilten Abrufterminen (Spaced Repetition) entsteht daraus eine der am besten belegten Lernroutinen überhaupt. Zu beachten ist, dass der Vorteil vor allem bei zeitlich verzögerten Prüfungen sichtbar wird – also genau dort, wo dauerhaftes Wissen zählt.

Zwei Details runden das Bild ab. In der ursprünglichen Studie lasen die getesteten Studierenden zwischen erstem und letztem Test nichts erneut – der Gewinn stammte also aus dem Akt des Abrufens selbst, nicht aus zusätzlicher Textkonfrontation. Und der Effekt ist nicht auf das freie Erinnern beschränkt: Auch Multiple-Choice- und Kurzantwortfragen lösen ihn aus, und schon niedrigschwelliges, unbenotetes Testen erfasst den Großteil des Nutzens, ohne Prüfungsangst zu erzeugen.

Quellen

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